[ Osttirol hat das Potenzial zur Modellregion der Alpen ]

Der renommierte Alpenforscher Prof. Dr. Werner Bätzing ist überzeugt, dass Osttirol – der Globalisierung zum Trotz – auch in Zukunft ein Ort guten Lebens sein kann. Der Schlüssel liegt für ihn in einer klugen Nutzung interner, eigener und externer Potentiale sowie in der kulturellen Lebendigkeit der Region. Osttirol als charakteristische und attraktive Alpenregion, die weder von Entsiedlung, noch von Verstädterung oder Massentourismus geprägt ist – so formuliert Bätzing den Leitgedanken für Osttirol.

Die ausgeprägte inneralpine Lage abseits der großen Verkehrsachsen sei in der globalisierten Welt „im klassischen Denken“ zunächst negativ zu bewerten, so Bätzing. Gleichzeitig biete sie durch einen „Distanzschutz“ aber große Chancen. „Die Abgeschiedenheit hat auch den Vorteil, dass mehr Raum für die eigene Entwicklung vorhanden ist“, skizziert der Geograf seine Vision für Osttirol. Ein stärkeres Selbstbewusstsein, ein Bekenntnis zur kulturellen Identität sowie die gleichberechtigte Partnerschaft zwischen der Bezirkshauptstadt Lienz und den Ortschaften in den Seitentälern sind für den Alpenforscher die Voraussetzung, um die dezentrale Region Osttirol als Lebensraum zu stärken und den Bevölkerungsrückgang  in den Randbereichen zu verhindern.

Produkte, die aus den Ressourcen der Region geschaffen werden, müssen nach Meinung des Kulturgeografen stärker in den Mittelpunkt gerückt werden. Ein Beispiel wäre die Konzentration auf hochwertige, veredelte Qualitätsprodukte aus der Landwirtschaft. Die Zielgruppen für solche Produkte sind laut Bätzing nicht nur Einheimische und Touristen, sondern auch „benachbarte“ Alpenstädte wie etwa Innsbruck oder andere Metropolregionen am Alpenrand. Ferner sieht der Kulturgeograf die konsequente Angebotsentwicklung im Tourismus, basierend auf den vorhandenen Potentialen der intakten Natur- und Kulturlandschaft, als Gebot der Stunde. Er regte an, das Angebot an Kulturwanderwegen, beispielsweise von Dorf zu Dorf, auszubauen und mit einem kulinarischen Angebot zu verknüpfen, um besonders die Sommersaison zu verlängern.

Die Osttirolerinnen und Osttiroler sind gefordert zu entscheiden, welche Perspektive sie ihrer Region gegenüber einnehmen wollen. Die kulturelle Enge sowie die soziale Kontrolle sind laut Bätzing in vielen Tälern und Regionen der Alpen eine Herausforderung. Gleichzeitig weisen diese Regionen aber auch eine hohe Lebensqualität auf. Genau dies sei laut Bätzing auch in Osttirol zu beobachten.

„Wenn ein Klima der kulturellen Lebendigkeit und des Verantwortungs-bewusstseins für die Region forciert wird, kann ich mir gut vorstellen, dass Osttirol zu einer Modellregion für die Zukunft der Alpen werden könnte“, so Bätzing.