[ Die Buchvorstellung in Bild und Text ]

Elisabeth Bodner ist in Sillian aufgewachsen und Mitte 20 nach Wien übersiedelt, wo sie heute mit ihrer Familie lebt und als Lehrerin arbeitet. Heinz Brandl stammt aus Südmähren, kam als Kind – bedingt durch die Kriegswirren des Zweiten Weltkrieges – nach Lienz. Der emeritierte Institutsvorstand der Technischen Universität Wien und Präsident des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereins sieht sich als ausgewanderten Einwanderer.

Diese Beiden sowie Maria Deutinger, Ulrike Hartmann, Michael Hedwig, Rudolf Hopfgartner, Caroline Kunz, Peter Kunz Marisa Mühlböck, Peter Niedertscheider, Dieter Pätzold, Nikolaus F. Pedarnig, Ralf Risser, Renè Schmidpeter, Hans Peter Schneeberger und Harald Stadler kommen im Band „Osttirol von außen. Sichtweisen und Anregungen von Osttirolern im Ausland“ zu Wort.

Die Anregungen, die sie geben, sind von deren unterschiedlichen beruflichen und persönlichen Hintergründen geprägt. So sieht etwa Peter Kunz, international agierender Rechtsanwalt, die italienische Sprache als Chance für Osttirols Wirtschaft.

 „Die aktuelle Krise in Italien führt jedoch gerade dazu, dass – wie ich aus eigener Erfahrung weiß – viele italienische Unternehmen sich auch in Österreich niederlassen wollen, um z. B. ein zweites Standbein außerhalb Italiens zu haben. Aufgrund der geografischen Nähe wäre es naheliegend, dass sich derartige Unternehmen aus (Rest)Italien nicht nur in Kärnten oder in Wien ansiedeln, sondern auch in Osttirol.

 

Ulrike Hartmann leitet das Regionalbüro Banja Luka des Office of the High Representative of Bosnia and Herzegovina. Sie stellt in den Raum, dass Veränderungen in Osttirol langsam voran gehen und tendenziell Widerstand auslösen.

„Auch wenn Veränderungen in Osttirol über die vergangenen Jahrzehnte hinweg durchaus sichtbar sind, so brechen dominante Strukturen nur langsam auf. In einer Region, in der Gemeinden auch heute noch von einer Partei mit Zweidrittel- bis Dreiviertelmehrheiten regiert werden, wo Medienvielfalt zum Teil noch ein Fremdwort ist, wo der soziale und gesellschaftliche Druck zu einschlägiger Vereinszugehörigkeit noch immer stark ausgeprägt ist, dort wird jeder Neuerungsvorschlag zuerst einmal auf Skepsis, wenn nicht auf Widerstand stoßen.“

Marisa Mühlböck, Geschäftsführerin der Julius-Raab-Stiftung in Wien, fragt provokant, wie frei Osttirol sei.

„Wie frei fühlen sich die Osttirolerinnen und Osttiroler? Können sie gleichzeitig tief verwurzelt sein ohne sich in die Enge getrieben zu fühlen? Können sie gestalten und handeln? Haben sie die Freiheit, eigenverantwortlich ein Leben zu führen, das ihren individuellen Bedürfnissen, vor allem aber auch Talenten und Fähigkeiten, gerecht wird? Und lässt man sie auch mitgestalten am Leben außerhalb des eigenen Heims? Ich denke, dies sind ganz entscheidende Fragen, die jedenfalls Auswirkungen darauf haben, ob eine Region ihre eigenen Bürgerinnen und Bürger halten bzw. Menschen von außen anziehen kann oder nicht.“

Abschließend ein Zitat aus Dieter Pätzolds Beitrag, der ein Bekenntnis zu Osttirol fordert. Pätzold ist Mediziner und wanderte nach den gescheiterten Bemühungen, seine Frau Dr. Ursula Pätzold als Ärztin im BKH Lienz einzugliedern, nach Graz ab.

„Ich fordere in diesem Aufsatz ein Bekenntnis zu einem weitgehend autonomen Osttirol, ein Bekenntnis zur geografischen Lage, zur Geschichte, zum Volk und fordere zu einer Zukunftsvision auf, die der Osttiroler Jugend eine kalkulierbare bodenständige Existenzfähigkeit, mit herausragender Lebensqualität und Individualität bieten möge, im Gegensatz zur Auswanderung in Ballungszentren, wo von der Ferne betrachtet, die Möglichkeit vom ‚Tellerwäscher zum Millionär‘ aufzusteigen, verlockend sein mag, die Realität hingegen oft mit sich bringt, dass man sich unter ungünstigen Großstadtbedingungen in den Mittelstand eingliedern muss oder sogar dem Scheitern preisgegeben ist.“

Wer Gusto auf mehr hat, kann das Buch „Osttirol von außen“ über den Osttiroler Boten zum Preis von 19,90 Euro beziehen.