[ Die Bildungsregion Osttirol als Entwicklungsraum der Talente ]

Zum Auftakt nach der Sommerpause der Vortragsreihe „Vordenken für Osttirol“ referierte der renommierte deutsche Neurowissenschaftler Professor Dr. med. Joachim Bauer zum viel diskutierten Thema: Kinder und Jugendliche erreichen und motivieren. Im sehr gut besuchten Kultursaal von Debant erläuterte der Arzt und Autor zahlreicher Fachbücher, wie Eltern, Erzieher/innen, Ausbilder oder Lehrkräfte Motivation und Begeisterung bei Kindern wecken können.

Kinder und Jugendliche wollen sich ausdrücken, wollen Gefühle zeigen und möchten ihre eigene Meinung äußern. „Wir sollen sie also ermutigen, das zu tun und ihnen aktiv zuzuhören. Das ist aber nicht zu verwechseln mit Verwöhnen – das wäre eine Form von Ersatz für ehrlich gemeinte Aufmerksamkeit ist“, erläuterte Bauer.

In diesem Zusammenhang ging der Neurowissenschaftler auf Kritik, Demütigungen wie  das Lächerlichmachen, das Anschreien und soziale Ausgrenzung ein. Diese Verhaltensweisen wirken wissenschaftlich erwiesen auf das Schmerzzentrum. Schmerzen lösen wiederum Wut und Aggression aus. Wenn Kritik an einem Kind oder Jugendlichen geübt wird, sollte diese sachlich erfolgen, schließlich muss der Heranwachsende lernen, Regeln zu akzeptieren. Aus diesem Grund ist die Vorbildfunktion von Erwachsenen so bedeutend. Bis zum ca. 11 Lebensjahr nehmen die Eltern diese Position ein. Mit Beginn der Pubertät sucht das Kind seinen eigenen Weg und geht oft auf Konfrontation zum Elternhaus. Dann bieten alternative Mentoren wie Lehrer oder Ausbilder Orientierung.

Prof. Dr. Bauer appellierte an Eltern, Lehrer und Ausbilder, die sozialen Kompetenzen früh zu fördern und in eine positive Erziehungsdiskussion mit Kindern und Jugendlichen zu gehen – Dialog statt Strafe.

Und zum Thema Digitalisierung meint Bauer: „Man sollte darauf achten, dass die Heranwachsenden sich nicht in der virtuellen Welt verlieren, sondern lernen, auch reale soziale Kontakte zu pflegen. Die digitalen Medien bieten neue Spielräume für Kommunikation, die durchaus genutzt werden sollten. Wenn 14-Jährige einen Film über Osttirol drehen und den ins Netz stellen, sollten wir dem Aufmerksamkeit schenken und ihnen eine positive Resonanz geben. Damit zeigen wir ihnen, dass wir an sie und ihre Potenziale glauben“.

 

Fotos: Philipp Brunner